Kindernothilfe Österreich. Kindern Zukunft schenken.

Bildung ändert alles

Armut und fehlende Bildung gehen in vielen Ländern Hand in Hand. Nur wer zur Schule geht und eine gute berufliche Ausbildung hat, kann sich ein gesichertes Leben aufbauen und es selbstbewusst in die Hand nehmen.

Aber noch immer fehlt etwa 120,6 Millionen Mädchen und Buben weltweit die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Hinzu kommen viele, die diese Möglichkeit zwar haben, in ihrem Unterricht aber wenig über Lebenswichtiges wie etwa Gesundheit, Hygiene, Ernährung oder Konfliktlösung lernen. Jedes dieser Kinder droht in einen Teufelskreis aus fehlender Bildung, Armut und allen damit verbundenen Problemen zu geraten - mit weitreichenden persönlichen und gesellschaftlichen Folgen.

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Äthiopische Mädchen sitzen im Klassenraum und folgen gespannt dem Unterricht. (Quelle. Jakob Studnar)
Schulklasse in Äthiopien (Foto: Jakob Studnar)
Äthiopische Mädchen sitzen im Klassenraum und folgen gespannt dem Unterricht. (Quelle. Jakob Studnar)
Schulklasse in Äthiopien (Foto: Jakob Studnar)

In unseren Partnerländern setzen wir uns deshalb für eine umfassende, gute Grundbildung in formalen, non-formalen und alternativen Bildungsprogrammen, von der frühkindlichen Bildung über die Grundschulbildung bis zur Berufsbildung. Die Projekte und Programme zielen darauf ab, die Familien ökonomisch und sozial so zu stärken, dass sie in der Lage sind, ihre Kinder zur Schule zu schicken und ihr Recht auf Bildung einzufordern. Außerdem stellen die Kindernothilfe-Partner für Kinder in besonders schwierigen Situationen Bildungsangebote zur Verfügung, die an ihre spezifischen Bedürfnissen angepasst sind und die Lebenssituation nachhaltig verbessern. Dies sind zum Beispiel Schulen und Fördermaßnahmen, die Kinder, die lange nicht zur Schule gegangen sind, auf den Unterricht in einer staatlichen Schule vorbereiten. Lehrerinnen und Lehrer werden darin fortgebildet, die Kinderrechte zu achten und ihren Unterricht an die Lebenswirklichkeit der Schüler anzupassen. Auch unsere Berufsausbildungsprogramme richten sich an der Realität der Kinder und dem lokalen Arbeitsmarkt aus und bewirken eine konkrete Verbesserung ihrer Lebensumstände.

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Kinder im Kinderzentrum Indonesien - Projekt.
Unterricht im Kinderschutzzentrum nach Taifun Rai (Foto: Kindernothilfepartner)
Kinder im Kinderzentrum Indonesien - Projekt.
Unterricht im Kinderschutzzentrum nach Taifun Rai (Foto: Kindernothilfepartner)
Dazu schaffen wir auch sogenannte non-formale Bildungsangebote, die zunächst nicht in den staatlichen Betrieb eingebunden sind, später aber damit verknüpft werden sollen. So sollen auch Kinder erreicht werden, die völlig vom Bildungssystem abgeschnitten sind. Das sind häufig Kinder, die unter extremer Armut leiden und ausgestoßen sind, wie etwa Straßenkinder oder arbeitende Kinder. Auch in Kriegen, Konflikten und nach Naturkatastrophen bleibt vielen Kindern Bildung verwehrt. Non-formale Bildungsprogramme müssen nach Katastrophen sehr häufig für einen begrenzten Zeitraum fehlende formale Bildung ersetzen.
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Frühkindliche Förderung

Wichtig, aber oft vernachlässigt, ist die frühkindliche Erziehung und Entwicklung. Die ersten Lebensjahre eines Kindes sind aus psychologischer Sicht eine entscheidende Phase, denn hier werden die Grundlagen für die weitere Entwicklung gelegt. Kinder unter fünf Jahren gehören zu den verletzlichsten einer Gesellschaft.

In unseren Projekten werden bereits die Kleinsten ganzheitlich gefördert. In Tagesstätten sind sie gut betreut, während die Mütter arbeiten gehen. Die Kinder bleiben so nicht sich selbst überlassen.

Schulbildung

Schulbildung schafft Chancen: Kinder, die zur Schule gehen, haben bessere Aussichten auf Arbeit, kennen Gesundheitsrisiken und können sinnvolle Entscheidungen für ihr Leben treffen. Aber viele Familien in den Ländern des Südens leben in extremer Armut. Kinder müssen deshalb mitarbeiten, um den Lebensunterhalt für die Familie zu verdienen. Die Folge: Rund 120,6 Millionen Kinder zwischen 6 und 12 Jahren weltweit gehen nicht zur Schule (UNESCO: Fact Sheet no. 56 September 2019 UIS/2019/ED/FS/56U).

Mit dem nachhaltigen Entwicklungsziele SDG 4 hat sich die Weltgemeinschaft zum Ziel gesetzt, dass im Jahr 2015 jedes Kind wenigstens eine abgeschlossene Grundschulausbildung bekommt und Mädchen und Buben gleichermaßen zur Schule gehen können. Tatsächlich sind seit dem Jahr 2000 Fortschritte erzielt worden: Der Anteil der Kinder, die keine Schule besuchen konnte von 16 Prozent auf 8 Prozent gesenkt werden. Der Anteil von Mädchen, die noch vor 10 Jahren doppelt so häufig ohne Schulbildung blieben wie Buben, konnte dem Anteil der Buben angeglichen werden. In den letzten 20 Jahren konnte in Subsahara Afrika nach Angaben der UNESCO der Anteil von Kindern ohne Grundschulbildung von circa 40 auf 20 Millionen halbiert werden. . Dennoch gibt es weiterhin große Bildungsunterschiede und die Zahl der Kinder, die keine Schule besuchen, stagniert seit Jahren. Mädchen, Kinder mit Behinderungen sowie Kinder aus armen Familien und aus ländlichen Gegenden sind nach wie vor schlechter gestellt.

In vielen unserer Projekte machen wir es möglich, dass Kinder und Jugendliche zur Schule gehen können. Wir stellen Schuluniformen und Lernmaterial zur Verfügung, statten Schulen aus, sorgen für Weiterbildungen bei Lehrern zur gewaltfreien Erziehung, fördern Inklusion von Kindern mit Behinderung uvm. 

Berufsausbildung

Ohne Ausbildung keine guten Lebensperspektiven – dieser Satz gilt überall auf der Welt. In Entwicklungsländern haben Jugendliche häufig keinen Zugang zu Berufsbildungsprogrammen. Aber auch dort, wo eine berufliche Ausbildung möglich ist, ist diese oft nicht auf die lokalen Bedürfnisse abgestimmt.

Eine für die Jugendlichen relevante berufliche Bildung umfasst daher das Erlernen und Erweitern von praktischen Fähigkeiten und theoretischen Kenntnissen. Erstes Ziel ist nicht, dass ein offizieller Abschluss erreicht wird, sondern dass junge Menschen ihren eigenen Lebensunterhalt sichern können. Berufliche Bildung ist auf die Bedürfnisse des Einzelnen und des Gemeinwesens ausgerichtet, gesellschaftlich relevant und orientiert sich am Arbeitsmarkt. Berufliche Bildung trägt so zur nachhaltigen Entwicklung bei.

In unseren Projekten können Jugendliche eine Kurzausbildung absolvieren, z.B. zum Schreiner, Motorradmechaniker, Bäcker oder zur Schneiderin. Diese Ausbildungen sind immer am Bedarf der Dörfer oder Stadtteile angepasst, damit die Jugendlichen auch sicher Geld damit verdienen können.

Lebenskompetenzen und Aufklärung

Denkt man hierzulande an Bildung, hat man vor allem Karrierechancen im Kopf: Wer die Möglichkeit zu einer guten Ausbildung hat, wird es zu etwas bringen im Leben. Bildung umfasst aber noch viel mehr. Lebenskompetenzen (life skills) zielen auf die Stärkung und Förderung von Fähigkeiten ab, die eine positive bzw. erfolgreiche Gestaltung des eigenen Lebens sowie eine konstruktive Bewältigung von schwierigen Lebensphasen ermöglichen. Die Weltgesundheitsorganisation betrachtet die folgenden Fähigkeiten dafür als wesentlich: Selbstwahrnehmung, Empathie, kreatives und kritisches Denken, Entscheidungsfähigkeit, Problemlösungskompetenz, effektive Kommunikationsfähigkeiten, interpersonale Beziehungsfähigkeiten, Gefühlsbewältigung und Stressbewältigung. Lebenskompetenzprogramme zeichnen sich durch sehr interaktive Lehr- und Lernmethoden aus. Sie werden weltweit sowohl in formalen als auch in non-formalen Bildungskontexten angewendet.

Zudem benötigen Kinder in Ländern des Südens Wissen über Menschenrechte und Kompetenzen, damit sie sich für diese einsetzen und gegenüber staatlichen Institutionen einfordern können.

In unseren Projekten machen wir uns deshalb stark für eine gute, umfassende und inklusive Bildung für eine nachhaltige Entwicklung, die neben Rechnen, Schreiben und Lesen auch alle weiteren lebenswichtigen Kompetenzen sowie Kenntnisse über Kinderrechte vermittelt, die an die Lebenswirklichkeiten der Kinder angepasst sind. Das heißt etwa: Kinder in kargen ländlichen Regionen sollten über Lebensmittel-Anbau und Wasserspeicherung, basierend auf dem Prinzip der Nachhaltigkeit, Bescheid wissen. Kinder in Regionen mit hoher HIV/Aids-Rate sollten über die Ansteckungsrisiken aufgeklärt werden und Selbstbewusstsein entwickeln, um Gefahrensituationen souverän zu begegnen. Und Kinder in allen Regionen sollten über ihre Rechte aufgeklärt und befähigt werden, diese einzufordern.

Ein Junge aus Uganda hockt in seiner blau-grünen Schuluniform vor einem seiner Beete im seinem Garten. (Quelle: Katharina Drzisga)
Farmschüler in Ruanda (Foto: Ludwig Grunewald)
Ein Junge aus Uganda hockt in seiner blau-grünen Schuluniform vor einem seiner Beete im seinem Garten. (Quelle: Katharina Drzisga)
Farmschüler in Ruanda (Foto: Ludwig Grunewald)

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Gottfried Mernyi, GF & Datenschutzbeauftragter (Foto: Martin Gröbner)

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Telefon: 01/513 93 30

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